Was Hans Dieter Uis in seiner Kehle hatte, darauf hätte niemand außer dem Hals-Nasen-Ohren-Doktor Straube antworten können, derjenige also, der in dem von Wasserrosen, Seitenkanälen und Schilf umgebenen Haus ordinierte und Uis das seltsame, nach der Taniswurzel duftende Getränk verschrieben hatte. Seit dieser Zeit mutierte der ehemalige Bariton, Soldat Uis, und seine Stimme stieg in immer höhere Register. Im Jahre 1916 wurde er zuerst einmal ein dramatischer Tenor, dann Buffo-Tenor und zum Schluss ein lyrischer Tenor. Ganz Deutschland, bis hin zu den Gräben an der Westfront, war begeistert, als der ehemalige Bariton Hans Dieter Uis „Tuba mirum“ aus Mozarts Requiem als erster deutscher lyrischer Tenor zu singen anfing. Schwankungen in seiner Stimme wurden dem Stress zugeschrieben, und der Soldat Uis war an diesem und an zwei folgenden Abenden glücklich, als die gleichen Musiker Mozarts Requiem in Biss-Tonlage wiederholten. Bereits beim dritten Konzert hatte Uis Probleme auch „Tuba mirum“ zu singen, denn seine Stimme wurde unaufhaltsam immer piepsiger.

Schon nach einer Woche konnte er Werke, die für lyrische Tenöre geschrieben waren, nicht mehr singen, sondern nur Seiten, die vom Barock zurückgeblieben und für Kastraten gedacht waren. Aber Uis konnte such nicht mehr freuen. Er fühlte sich wie ein Mensch in Niemands Land, denn er wusste nun, dass er sich auch im Fach der Contratenöre lediglich ein oder zwei Tage aufhalten würde. Er sprach mit einer belegten, sehr Piepsieger Stimme als ihn die letzten Menschen hörten. Dann wurde Uis für alle um sich herum stumm. Eigentlich war er nicht stumm geworden, sondern seine Stimme ging über die Grenzen des menschlichen Gehörs hinaus. Kein Mensch konnte mehr den ehedem größten Bariton der deutschen Bühnen hören, doch Berliner Hunde konnten Uis noch hören! Und der ehemalige Don Giovanni konnte bald erfahren, dass die Vierbeiner sein einziges Publikum geblieben waren; so ging er durch die Straßen und sang alles, woran er sich erinnern und seiner von keinem Menschen zu hörenden Stimme irgendwie anpassen konnte, aus voller Kehle. Die Berliner Hunde blieben aber stehen. Im Hundeohr klangen Mozarts Arien wie göttliches Geheul. Pudel und Boxer, Dachs- und Vogelhunde, russische Windhunde und Bernhardiner hörten ihm zu; es hörten ihm zu herrenlose Hunde und Hunde mit Besitzern, die bald hinter ihm herzogen, als wäre Uis der Zauberer mit der Flöte, der sie mit seinem Gesang verzaubert hätte. Alle Berliner dachten, es wäre sein Ende und der berühmte Uis wäre verrückt geworden. Für keinen Menschen hörbar, ging er barhäuptig durch die Straßen und öffnete den Mund, als würde er singen, während Hunde rudelweise hinter ihm herzogen und als seine letzte Chorbegleitung heulten Was Hans Dieter Uis in seiner Kehle hatte, darauf hätte niemand außer dem Hals-Nasen-Ohren-Doktor Straube antworten können, derjenige also, der in dem von Wasserrosen, Seitenkanälen und Schilf umgebenen Haus ordinierte und Uis das seltsame, nach der Taniswurzel duftende Getränk verschrieben hatte. Seit dieser Zeit mutierte der ehemalige Bariton, Soldat Uis, und seine Stimme stieg in immer höhere Register. Im Jahre 1916 wurde er zuerst einmal ein dramatischer Tenor, dann Buffo-Tenor und zum Schluss ein lyrischer Tenor. Ganz Deutschland, bis hin zu den Gräben an der Westfront, war begeistert, als der ehemalige Bariton Hans Dieter Uis „Tuba mirum“ aus Mozarts Requiem als erster deutscher lyrischer Tenor zu singen anfing. Schwankungen in seiner Stimme wurden dem Stress zugeschrieben, und der Soldat Uis war an diesem und an zwei folgenden Abenden glücklich, als die gleichen Musiker Mozarts Requiem in Biss-Tonlage wiederholten. Bereits beim dritten Konzert hatte Uis Probleme auch „Tuba mirum“ zu singen, denn seine Stimme wurde unaufhaltsam immer piepsiger.
Schon nach einer Woche konnte er Werke, die für lyrische Tenöre geschrieben waren, nicht mehr singen, sondern nur Seiten, die vom Barock zurückgeblieben und für Kastraten gedacht waren. Aber Uis konnte such nicht mehr freuen. Er fühlte sich wie ein Mensch in Niemands Land, denn er wusste nun, dass er sich auch im Fach der Contratenöre lediglich ein oder zwei Tage aufhalten würde. Er sprach mit einer belegten, sehr Piepsieger Stimme als ihn die letzten Menschen hörten. Dann wurde Uis für alle um sich herum stumm. Eigentlich war er nicht stumm geworden, sondern seine Stimme ging über die Grenzen des menschlichen Gehörs hinaus. Kein Mensch konnte mehr den ehedem größten Bariton der deutschen Bühnen hören, doch Berliner Hunde konnten Uis noch hören! Und der ehemalige Don Giovanni konnte bald erfahren, dass die Vierbeiner sein einziges Publikum geblieben waren; so ging er durch die Straßen und sang alles, woran er sich erinnern und seiner von keinem Menschen zu hörenden Stimme irgendwie anpassen konnte, aus voller Kehle. Die Berliner Hunde blieben aber stehen. Im Hundeohr klangen Mozarts Arien wie göttliches Geheul. Pudel und Boxer, Dachs- und Vogelhunde, russische Windhunde und Bernhardiner hörten ihm zu; es hörten ihm zu herrenlose Hunde und Hunde mit Besitzern, die bald hinter ihm herzogen, als wäre Uis der Zauberer mit der Flöte, der sie mit seinem Gesang verzaubert hätte. Alle Berliner dachten, es wäre sein Ende und der berühmte Uis wäre verrückt geworden. Für keinen Menschen hörbar, ging er barhäuptig durch die Straßen und öffnete den Mund, als würde er singen, während Hunde rudelweise hinter ihm herzogen und als seine letzte Chorbegleitung heulten...

Aus dem Serbischen von Olga Ellermeyer-Životić